| « Exportweltmeister | Offener Brief der pdv an Mitglieder und Anhänger der FDP » |
Wer kennt schon den Baltic Dry Index? Die meisten von uns sicher nicht. Dabei ist dieser Index ein sehr wichtiger Frühindikator. Der Baltic Dry Index (BDI) wird in London veröffentlicht und ist der wichtigste Preisindex für das weltweite Verschiffen von bedeutenden Handels- und Frachtgütern wie Kohle, Eisenerz und Getreide auf den wichtigsten Standardrouten. Um die bedeutung des Seehandels zu verdeutlichen, hier einige Zahlen: Über 90 Prozent des gesamten Welthandels werden über den Seeweg abgewickelt. In der Europäischen Union sind es fast 95 Prozent des Außenhandels . Nahezu 70 Prozent des deutschen Im- und Exports laufen über diesen Weg.
Es besteht also ein direkter Zusammenhang von Frachtraten mit Rohstoffpreisen und der Nachfrage nach Metallen, Treibstoffen und Nahrungsmitteln. weil der Baltic Dry Index die Verschiffungskosten von Rohstoffen, die als Vorstufe der Produktion immer benötigt werden, ermittelt, kann man am BDI präzise das Volumen des Welthandels ablesen. Die vom BDI erfassten Massengut Frachter besitzen einen Anteil von 55 Prozent am gesamten Schiffsmarkt. Besonders Güter wie beispielsweise Eisenerz, Kohle und Zement werden am Anfang eines Produktionsprozesses benötigt, sodass der BDI als führender Wirtschaftsindikator angesehen wird . Der BDI ist also ein Frühindikator für die Weltwirtschaft. Je größer die Menge der per Schiff transportierten Güter ist, desto größer muss die Nachfrage nach diesen Gütern sein. Logischerweise steigen dann die Preise für den Schiffstransport. Eine Aufwärtsbewegung des BDI signalisiert einen Anstieg des globalen Handels, eine Abwärtsbewegung das Gegenteil. Zwischen der Entwicklung des BDI und den wichtigsten Rohstoff Indices besteht normalerweise ein gewisser Gleichlauf.
Follow up:
In dieser Woche hat der BDI einen neuen historischen Tiefststand erreicht. Schauen Sie sich den Jahreschart an: http://www.bloomberg.com/quote/BDIY:IND
Das bedeutet nicht nur, dass die Frachtraten auf einem Niveau angekommen sind, auf dem sich Transporte für viele Reeder nicht mehr lohnen. Es bedeutet vielmehr eine massive Abschwächung des Welthandels bei wichtigen Gütern der Massenproduktion. Wir dürfen also mit einem besonders starken Einbruch der Weltwirtschaft rechnen. Dieser Einbruch wird wesentlich stärker ausfallen als der Einbruch 2008 und völlig konträr zu den populistischen Durchhalteparolen der Kaffeesatzleser aus Politik und Wirtschaft verlaufen. Er wird in einer tiefen Rezession , vermutlich sogar in einer langen Depression enden. Bereiten sie sich darauf vor. Es wird bald sehr ungemütlich und das hat nichts mit den derzeit besonders kalten Temperaturen zu tun.
Nachtrag: Der durchschnittliche Frachtpreis für einen Tag der Schiffsklasse Capesize bei den vier wichtigsten Frachtrouten (SPOT 4 TCE AVG), fiel heute um weitere -15 Dollar auf 5’312 Dollar ab. Beim Hoch am 5. Juni 2008 erzielten die Reedereien dagegen 233’988 Dollar als Frachtpreis für Massenfrachtgüter an einem Tag.
Capesize - das sind die ganz grossen Frachter, die um Afrika und Südamerika herumfahren müssen. Diese Frachtrate deckt sicher nicht einmal die Treibstoffkosten. Es muss einen massiven Einbruch bei den Rohstofftransporten geben.